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SMART EFFICIENCY

Die neue Leichtigkeit der Industrie

Bei Autos galten bisher vor allem leistungsfähige Motoren als ein herausragendes Qualitätsmerkmal. Als neue Erfolgsformel kommt Leichtbau hinzu

Von Michaela Adler

IN DER AUTOMOBILBRANCHE beschleunigt sich ein neuer Wettbewerb: Wer baut künftig die Autos mit dem geringsten Gewicht? Leistungsfähige Motoren und solide Technologie allein werden für Autohersteller in Zukunft nicht mehr ausreichen, um mit Innovationskraft zu überzeugen. Leichtbau, vor allem mit Karbon, gelte als eine Schlüsseltechnologie für die Mobilität von morgen, sagen Branchenkenner wie der deutsche Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer. Schon jetzt arbeiten die großen deutschen Marken Audi, BMW, Daimler und VW intensiv an marktreifen Autos „extra light“.

Der starke Trend zu leichten Materialien lässt sich nicht nur in der Automobilwirtschaft beobachten. Das Spektrum reicht von der Luft- und Raumfahrt über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zu regenerativen Energien. Für industrielle Prozesse gewinnt angesichts steigender Rohstoff- und Energiepreise der Leitgedanke von „Smart Efficiency“ immer mehr an Bedeutung. Die Idee beschreibt den intelligenten und ressourcenschonenden Einsatz von Material und ­Energie – ergänzt durch optimierte Produktionsabläufe sowie kosteneffizientes Management. Auf der Hannover Messe 2011 im April begleitete das Thema „Smart Efficiency“ als übergreifender Schwerpunkt die 13 internationalen Leitmessen der weltgrößten Industrieschau. Wie sich in der Automobilindustrie durch leichte Werkstoffe Energie und Material einsparen lassen, zeigte die Messe etwa am Beispiel von Aluminium- und Magnesiumleichtbau.

Um die Potenziale der Mobilität noch weiter auszuschöpfen, stehen bei deutschen Automobilherstellern Leichtbaumaterialien hoch im Kurs. Als Pionier tritt BMW auf. Der Konzern stellte im Februar 2011 mit einer aufwendigen Marketing-Kampagne seine neuen Elektroautos aus leichtem Karbon vor. Die ersten Modelle der in Großserie gefertigten Fahrzeuge sollen 2013 in Leipzig vom Fließband rollen. Daimler präsentierte bald darauf eine Allianz mit dem japanischen Chemiekonzern Toray. Der gemeinsame Plan: zum ersten Mal Autoteile aus Karbon in großer Stückzahl zu produzieren. Europas größter Autokonzern sah diesen Entwicklungen nicht tatenlos zu: VW stieg bei SGL Carbon ein. Die Firma aus Wiesbaden, die sich als einziger Karbonfaserhersteller in Europa bezeichnet, ging 2009 bereits ein Joint Venture mit BMW ein.

Für Deutschlands führende Autohersteller dürfte die Frage nach dem Gewicht ihrer Modelle aller Voraussicht nach ganz wesentlich über Marktanteile und Markenimage entscheiden. Hieß es zuerst noch oft, Leichtbaumaterial sei zu teuer für die Großserienproduktion, haben die gewichtigen Fakten ein Umdenken eingeleitet. Je mehr ein Auto wiegt, desto höher ist in der Regel sein Spritverbrauch und damit auch sein Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid. Jedes Kilogramm weniger spart nicht nur Geld an der Tankstelle. Es verbessert auch die Umweltbilanz. Die eigentliche Herausforderung aber stellt sich im Zusammenhang mit der Elektromobilität. Hier zählt das Gewicht noch viel mehr als bisher. Die schweren Akkus bei Elektroautos begrenzen ohnehin schon deren Reichweite. Ingenieure entwickeln deshalb möglichst leichte Karosserieteile. Helfen könnte ihnen dabei ein Werkstoff, der ursprünglich aus der Weltraumforschung stammt und bisher hauptsächlich im Motorsport zum Einsatz kam: Karbon. Das Wundermaterial für das neue Leichtbau-Zeitalter könnte die traditionellen Werkstoffe Stahl und Aluminium in vielen Bereichen ersetzen. Karbon ist genauso stark und belastbar wie Stahl, wiegt aber weniger als die Hälfte. BMW, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, habe sich momentan einen passablen Vorsprung beim Leichtbau mit Karbon erarbeitet. Die Fahrgastzelle des neuen Elektroautos BMW i3 wird aus Karbon gefertigt.

Kritiker bemängeln bei Karbon jedoch, es lasse sich im Vergleich zu Aluminium nicht recyceln. Hinzu komme die negative Gesamt-energiebilanz: Aufwand und Kosten eines Karbonautos gleichten den Gewichtsvorteil selbst bei hoher Kilometerleistung nicht aus. Dennoch: Langfristig führt wohl kein Weg an Karbon vorbei. Zumal die moderne Automobilproduktion das Nebeneinander von Materialien möglich macht. Durch einen Verbund aus Stahl, Aluminium, Fasermaterialien und Magnesium will etwa Audi bei der neuen Version seines mehr als zwei Tonnen schweren Geländewagens Q7 rund 400 Kilogramm Gewicht einsparen. Die intelligente Mischung aus Leichtbau und klassischen Materialien könnte so am Ende das Wettrennen um die leichtesten Autos entscheiden.////

19.05.2011
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