In der Forstwissenschaft haben deutsch-russische Beziehungen eine lange Tradition. So unterrichtete etwa schon Heinrich Cotta (1763 – 1844), einer der Begründer der modernen Forstwissenschaft, zahlreiche russische Studenten an seiner Forstakademie im sächsischen Tharandt. Eine neue Partnerschaft knüpft nun an die traditionsreichen Beziehungen an. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, und die Staatliche Akademie für Forstwissenschaften und Forsttechnologie in Woronesch haben ein „Abkommen über wissenschaftlichen Austausch und Zusammenarbeit“ geschlossen. Darin werden die gemeinsamen Interessen in den Bereichen Forschung und Bildung betont sowie die Förderung des wissenschaftlichen Austausches vereinbart. Die Kooperation steht in Zusammenhang mit der CLIENT-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Die CLIENT-Initiative will internationale Partnerschaften Deutschlands mit großen Ländern fördern, die auf nachhaltigen Klimaschutz und Umwelttechnologien zielen. Unter den 15 Einzelinstituten des vTI ist in diesem Bereich etwa das Institut für Waldökologie und Waldinventuren mit Sitz im brandenburgischen Eberswalde intensiv tätig. Es setzt sich für die Sicherung gesunder, produktiver Wälder und eine leistungsfähige und umweltgerechte Forstwirtschaft ein. Seine Forschungsergebnisse gewinnt das Institut unter anderem mit dem neuartigen „Drylab“ – ein Experimentallabor, mit dem sich unter Freilandbedingungen untersuchen lässt, wie junge Waldbäume auf zunehmende Sommertrockenheit reagieren.
„Nicht zuletzt aufgrund der verheerenden Waldbrände in Russland 2010, die ja auch die Region um Woronesch betrafen, sind die russischen Kollegen besonders an einem Austausch über die Herausforderungen des Klimawandels interessiert“, sagt Dr. Walter Seidling vom Institut für Waldökologie und Waldinventuren „Die Frage ist: Welcher Wald ist für die Region am besten geeignet?“. Die weit verbreitete Kiefer stelle aufgrund ihrer leichten Entzündlichkeit ein klares Risiko dar. „Gemeinsam mit unseren russischen Kollegen haben wir die Chance zu ermitteln, welche Mischung an Bäumen sinnvoller ist.“ Für die deutschen Forstwissenschaftler sei die Gegend um Woronesch zudem auch deshalb interessant, weil „in der Zukunft in Brandenburg durch den Klimawandel ähnliche, wärmere Temperaturen herrschen könnten“.
Die Vielfalt der russischen Waldlandschaft ist laut Dr. Seidling für die deutsche Seite grundsätzlich vielversprechend. „Russland hat zum Beispiel sein forstliches Umweltmonitoring bis her nur im äußersten Nordwesten an unsere westeuropäischen Standards angeglichen. Es wäre natürlich reizvoll, wenn wir noch wesentlich großflächiger vergleichbare Ergebnisse zum Wachstum der Bäume, zur Baumgesundheit oder zur Biodiversität gewinnen könnten.“ Mit dem Institut für Weltforstwirtschaft ist eine weitere Einrichtung des vTI auf das forstliche Umweltmonitoring spezialisiert: In Hamburg befindet sich ein europäisches Datenzentrum. „Auch hier bestehen Chancen für eine Kooperation“, sagt Dr. Seidling. „Unser Abkommen mit den russischen Kollegen ist bewusst so gestaltet, dass es vielfältige Anknüpfungspunkte bietet.“////














