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„Deutsch ist sehr attraktiv“

Der US-Deutschlehrerverband American Association of Teachers of German (AATG) vertritt die Interessen von rund 5500 Lehrenden in den Vereinigten Staaten. Ein Gespräch mit AATG-Präsidentin Carol Anne Costabile-Heming

Interview: Johannes Göbel

Frau Professor Costabile-Heming, welchen Ruf hat die deutsche Sprache in den USA?

Immer noch einen guten. Er wurzelt einerseits in der Geschichte der deutschen Einwanderer in den USA. In Staaten wie Kentucky und Ohio wird Deutsch auch aus diesem Grund nach wievor gepflegt. Aber Deutsch als Femdsprache reizt auch viele Menschen aus ganz aktuellen Gründen. Deutschland ist als Wirtschaftspartner sehr interessant für die USA; Marken wie Siemens, BASF, Volkswagen und Mercedes sind in aller Munde. Deutsche Firmen investieren viel in den Vereinigten Staaten. Wer sich über sie informieren will, hat mit Deutsch exzellente Voraussetzungen. Aber auch in der internationalen Politik, etwa in Fragen der Sicherheitspolitik, ist Deutschland ein wichtiger Partner der USA. All das macht die Sprache zusätzlich sehr attraktiv. Und Deutsch kann auch eine wichtige Rolle als „Vermittlersprache“ übernehmen. Nehmen sie das Beispiel Osteuropa, Russland. Wenn es auf Russisch oder Englisch nicht funktioniert, dann ist Deutsch oft der Schlüssel zu einem besseren gegenseitigen Verständnis.

Wie steht es um den kulturellen Reiz der Sprache Deutsch?

Der ist natürlich auch groß. Man kann sich kaum mit Philosophie beschäftigen, ohne dem Einfluss deutscher Intellektueller zu begegnen. Wer Deutsch beherrscht, kann dies tun, ohne von den Entscheidungen eines Übersetzers abhängig zu sein. Der persönliche Zugang fällt so viel leichter. Ich denke aber, dass sich auch andere Bereiche der Kultur durch die deutsche Sprache leichter erschließen lassen, etwa die Musik Johann Sebastian Bachs.

Wie kamen Sie persönlich auf die deutsche Sprache?

Über einen Umweg. Ich hatte noch auf der High School Spanisch als Fremdsprache. An der Universität habe ich Chemie studiert und parallel dazu Deutsch, da es eine wichtige Wissenschaftssprache ist. Meine Deutschnoten waren schließlich besser als die in Chemie und das Interesse an der Sprache hat mich bis zu meiner Arbeit als Professorin geführt.

Welches Deustchlandbild will Ihr Verband den Lernenden vermitteln?

Deutschland ist heute ein offenes, multikulturelles Land. Gerade diesen Punkt versuchen wir unseren Schülern und Studenten zu vermitteln. Deutschland hat sicherlich eine sehr komplizierte Geschichte, über die viele Menschen mehr erfahren möchten. Aber auch hier versprechen sie sich durch die deutsche Sprache ein besseres Verständnis. Ganz grundsätzlich wollen wir ja auch nicht nur Sprache vermitteln, sondern den Blick auf gesellschaftliche Fragern richten.

Wie zeigt sich das in Ihrer Arbeit?

Ein Beispiel ist die Migrationspolitik in Deutschland und den USA, die wir im Unterricht ebenfalls vergleichen. Wir wollen bewusst den Blick weiten, auch um Fragestellungen im eigenen Land besser analysieren zu können. Dabei nutzen wir auch Medien aus Deutschland, die uns eine wertvolle weitere Perspektive auf die USA bieten. Hilfreich ist hier natürlich auch derAustausch von Schulen auf beiden Seiten des Atlantiks. Mit der heutigen Technik, mit Facebook, Twitter und Blogs haben wir ganz andere Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren. Auch Skype ist ein tolles Instrument, da es einen unmittelbaren Austausch zwischen deutschen und amerikanischen Partnerschulen ermöglicht. Und selbstverständlich unterstützen wir nicht nur den virtuellen Austausch, sondern bieten auch Austauschprogramme an. Wir wollen Deutschland lebendig vermitteln.

Lehrer an Schulen bilden eine Hauptgruppe Ihres Verbandes, die andere große Gruppe sind die Universitätsdozenten. Welche Rolle spielt das für die Arbeit des AATG?

Eine ganz wesentliche Rolle. Wir wollen jungen Deutschlernern möglichst einen roten Faden für ihre Schul- und Universitätszeit anbieten. Deshalb ist ein Großteil unserer Weiterbildungsseminare und Workshops sowohl für Lehrer als auch für Professoren gedacht. Auch in der Organisation des AATG achten wir auf Ausgewogenheit.Das gilt auch für die Position des Präsidenten: Meine Stellverteterin vertritt die Schulfraktion und wird mich nach zwei Jahren ablösen. Alle Verbandsmitglieder haben zudem über das Internet Zugang zu unseren beiden Fachzeitschriften: zu „Die Unterrichtspraxis/Teaching German“, die sich mit pädagogischen Theorien auseinandersetzt, und zu „The German Quarterly“, die sich intensiv mit Kulturthemen beschäftigt.

Welche aktuellen Projekte beschäftigen den AATG?

Zum Beispiel die dreisprachige Online-Community Todo Alemán des Goethe Instituts, an deren konzeptioneller Entwicklung Experten des AATG beteiligt waren. Die Anknüpfung an das Spanische ist auch uns amerikanischen Deutschlehrern wichtig, da die Sprache in den USA immer wichtiger wird. Ebenfalls in Kooperation mit dem Goethe-Institut intensivieren wir die Fortbildung von Lehrern, die jenseits der Metropolen wieder als Multiplikatoren Deutschlehrer weiterbilden. Und dann steht im Juni in Berlin zum zweiten Mal unser AATG-Fortbildungsseminar „Neuer Blick, neue Stimmen“ an. Auch hier wollen wir die interkulturelle Vielfalt der Bundesrepublik in den Mittelpunkt stellen und daraus Nutzen für unsere Arbeit ziehen.

08.03.2010
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