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Der Sound des Südpols

Für ein außergewöhnliches Musik-Projekt „Antarktika“ hat der Klangkünstler Frank Halbig aus Karlsruhe wissenschaftliche Daten vom Südpol vertont.

Von Oliver Sefrin

Lassen sich 740000 Jahre Klimageschichte musikalisch darstellen? Unmöglich? Keinesfalls: Frank Halbig zeigt mit seinem Projekt „Antarktika“, wie aus Daten von 3500 Meter langen Eisbohrkernen vom Südpol, die Rückschlüsse auf den Klimawandel zulassen, eine Partitur für ein Streichquartett – und damit ein besonderes Klangerlebnis wird. Abstrakte Zahlen und komplexe Messdaten werden in Noten übersetzt und so in sinnlich erfahrbare Klangräume verwandelt – eine Spezialität des Künstlers aus Karlsruhe.

In einem anderen Projekt hat Halbig, der unter anderem als Dozent an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe unterrichtet, bereits die Daten von zwei Sonnenzyklen visualisiert und vertont. Die Antarktis wiederum ist für Halbig ein ganz besonderer Ort: „Die Antarktis und die Geschichte ihrer Erforschung fasziniert mich schon sehr lange.“ Um sein Projekt umzusetzen, hat Halbig Fachgrenzen überschritten und mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven zusammengearbeitet. Vom AWI erhielt er die Daten der Eisbohrkerne. Mit Polarforschern des Instituts entwickelte sich schnell ein offener und fruchtbarer Austausch über deren Arbeit, der sehr anregend gewesen sei, erzählt Halbig. Nach gut zwei Jahren stand schließlich das Klangexperiment und „Antarktika – eine klimatische Zeitreise“ wurde Ende 2006 uraufgeführt. Im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe spielte ein Streichquartett die sphärische Komposition – begleitet von einer Videoinstallation mit Eindrücken aus dem ewigen Eis (Videocasts unter http://antarktika.at).

Für Halbig bleibt die Antarktis ein Anzugspunkt. Zusammen mit einer Künstlerin aus den USA arbeitet er am nächsten Projekt: Wenn alles klappt, werden ihre Klänge bei Konzerten an verschiedenen Ort der Welt zu hören sein – live gesendet vom Nord- und Südpol.

08.09.2009
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