200 Messer aus purem Gold und Bestecke aus Lapislazuli: Dieses Inventar ist in Keilschrift auf einer der 73 Tontafeln verzeichnet, die bei Ausgrabungen in der syrischen Königsstadt Qatna gefunden wurden. Die Auflistung des stolzen Besitzes einer Hofdame ist zudem ein Beleg für den großen Reichtum Qatnas. In seiner Blütezeit zählte der antike Stadtstaat zu den mächtigsten im Orient, bis er 1340 v. Chr. von den Hethitern zerstört wurde.
Rund 400 eindrucksvolle Originalfunde aus Qatna werden nun erstmals außerhalb Syriens ausgestellt: Noch bis 14. März 2010 zeigt das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart in der Ausstellung „Schätze des alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna“ den syrischen Nationalschatz. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen eine Nachbildung der Königsgruft, eine 3-D-Animation, die es ermöglicht, den Palast virtuell zu begehen, sowie die restaurierten über 3500 Jahre alten Wandmalereien. Ein Team von 90 Archäologen der Universität Tübingen, der italienischen Universität Udine und des syrischen Antikendienstes unter Leitung von Dr. Michel Al-Maqdissi graben seit 1999 in Qatna. „Mit seinem Umfang an Manpower zählt dieses Projekt zu einem der größten im Vorderen Orient“, sagt Professor Peter Pfälzner vom Institut für Kulturen des Alten Orients (IANES) der Universität Tübingen. 2002 und 2009 gelangen dem deutsch-syrische Team spektakuläre Funde: Sie entdeckten zwei ungeplünderte, reich ausgestattete Grüfte. Der wissenschaftliche Erfolg ist nicht zuletzt auch abhängig von den Forschungsvoraussetzungen. Archäologe Pfälzner ist beeindruckt von den guten Bedingungen in Syrien, zudem verfolge die Bevölkerung die Ausgrabungen mit viel Interesse. Er lobt auch das große Engagement von deutscher Seite: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt bis 2018.
Weitere Unterstützung kommt vom Auswärtigen Amt, das ein Kulturhilfeprojekt in Syrien gestartet hat. Ziel ist die Konservierung und Restaurierung des Königspalastes. In einer ersten Phase wurden die Mauerfundamente des Palastes restauriert, um Besuchern einen plastischen Raumeindruck zu vermitteln. Auch der einmalige, und daher besonders schützenswerte Palastbrunnen wurde durch Konservierungsmaßnahmen gesichert. In einem zweiten Schritt soll eine vollständige Überdachung des Palastbrunnens gebaut werden: Eine gewölbte Stahlkonstruktion und eine Abdeckung aus durchsichtigen Polycarbonatplatten sollen als UV- und Regenschutz dienen.














