Im Wald vor den Toren der US-Hauptstadt Washington liegt die Deutsche Schule. Drinnen im Büro hängt Schulleiter Waldemar Gries seine dunkle Anzugsjacke über die Stuhllehne, und krempelt die Ärmel des blütenweißen Hemdes hoch. Großes liegt vor ihm. Im kommenden Jahr wird die Deutsche Schule 50 Jahre alt. Drei Tage werden die Feierlichkeiten dauern. „Wir erwarten Gäste aus aller Welt“, erklärt der 57-jährige Hesse stolz. Man habe bereits zahlreiche Zusagen ehemaliger Schüler erhalten, die es mittlerweile in alle Himmelsrichtungen verschlagen hat und die eigens für die Jubiläumsfeier aus Russland, China, Kanada sowie aus Südamerika und Afrika anreisen würden. Und aus Deutschland natürlich.
Am Freitag, den 30. September 2011 wird das Schulfest beginnen. Viele freuen sich schon jetzt auf die bayerische Kultband Biermösl Blosn, die in Begleitung des Kabarettisten Gerhard Polt anreisen will. Ein faires Spiel erwartet man auf dem Fußballfeld, gegeben wird ein Klassiker: Schüler gegen Lehrer. Als Begegnungsstätte und Kontaktbüro für Ehemalige soll das „Alumni Bistro“ dienen. Dort kann es auch virtuelle Wiedersehen geben: Über Twitter und Facebook können die Gäste mit den Daheimgebliebenen chatten. Der Blick zurück auf dann 50 Jahre Deutsche Schule Washington rückt noch einmal die sieben Gründer der anfangs klitzekleinen Lehranstalt in den Mittelpunkt. Einfach war es nicht, nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Vielen deutschen Einwanderern schien es damals klüger, vor allem möglichst schnell Englisch zu lernen und sich zu integrieren. Am 11. September 1961 war es endlich soweit. Aus einer privaten Villa am MacArthur Boulevard in Washingtons Stadtteil Palisades hatte man eine richtige Schule gezimmert, in der 33 Schüler Platz fanden. Ein knappes Jahr zuvor hatten die sieben Initiatoren mit der Gründung des Deutschen Schulvereins Washington DC die rechtliche Grundlage für die Schule geschaffen. Das Geld für die Finanzierung stammte aus privaten Spenden der Eltern sowie von Zuschüssen des Auswärtigen Amts, das die Schule nach wie vor fördert.
Zurück in die Gegenwart: Das Pausenzeichen, ein elektronischer Gong, ertönt. Langsam trotten die Schüler in die Klassenräume. Heute besuchen 610 Schüler die Deutsche Schule. Ein riesiger, im architektonisch kühlen Stil der siebziger Jahre gehaltener Gebäudekomplex mit Kindergarten, Grundschule und der weiterführenden Schule steht in Potomac im Bundesstaat Maryland, eine halbe Autostunde vom Weißen Haus entfernt. Die Unterrichtssprache ist in erster Linie Deutsch. Die deutsche Sprache lag auch Beate Ziener am Herzen, als sie gemeinsam mit Ehemann Markus und Tochter Lara nach Washington zog. „Als wir vor vier Jahren hierher kamen, war für mich klar, dass Lara auf die Deutsche Schule geht.“ Beate Ziener macht eine kleine Pause, dann fügt sie hinzu: „Für mich selbst ist die Deutsche Schule immer auch ein bisschen Zuhause.“ Sich zuhause fühlen – dazu gehört auch die Pflege deutscher Traditionen. Etwa die Schultüte, die jedem ABC-Schützen den ersten Schultag versüßt. Die meisten Amerikaner kennen diesen Brauch nicht. Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und anderen Ländern zählt zu den zentralen Aufgaben der deutschen Auslandsschulen, die sich auch in der Partnerschul-Initiative (PASCH) des Auswärtigen Amts engagieren. Die Deutsche Schule Washington steht auch amerikanischen Schülern offen und führt neben der deutschen Hochschulreifeprüfung auch zum High School Diploma. Die angegliederte Sprachschule German Language Courses ist die mit Abstand größte deutsche Sprachschule in den USA. Rund 500 Kinder und Erwachsene lernen hier wöchentlich auf unterschiedlichsten Sprachniveaus und können das Deutsche Sprachdiplom erwerben.
Manche Schüler und Eltern der Deutschen Schule Washington wünschen sich, Deutsches und Amerikanisches noch enger miteinander zu verknüpfen. Antje Sina, Mutter einer Schülerin und Vorstandsmitglied der Schule, hofft in Zukunft auf „viel mehr Schüleraustausch“ zwischen deutschen und amerikanischen Schulen. Ganz im Sinne des Mottos der Deutschen Schule: „Das Beste zweier Welten“.////















