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Burj Khalifa: Viel deutsches Know-how

Betonpumpen, die Stahlfassad oder das Parkett: Im Burj Khalifa, dem mit 828 Metern höchsten Gebäude der Welt im Emirat Dubai, haben mehr als 30 deutsche Firmen mitgebaut. Dubais Wolkenkratzer der Superlative ist auch ein deutsches Großprojekt

Von Sybille Wilhelm

Der Wolkenkratzer ist ein neuer architektonischer Superlativ – und auch wenn die Projektleitung in der Hand von Emaar Properties lag und die Pläne von dem Architekten Adrian Smith stammen: Der Burj Khalifa ist auch für deutsche Unternehmen ein Wirtschaftsfaktor. Am Turmbau zu Dubai haben mehr als 30 vor allem mittelständische Unternehmen aus Deutschland mitgewirkt. Die Tiefbauarbeiten erledigte die 1790 gegründete Firma Bauer. Der Gerüstbauer Hünnebeck steuerte die Schaltechnik für den Bau des Burj Dubai bei, der seit seiner Eröffnung im Januar 2010 offiziell Burj Khalifa heißt. Der Spezialbaustoffhersteller Ardex lieferte Bodenspachtelmasse, Kleber, Dichtmasse, Estriche und Putz. Der Familienbetrieb Knauf produzierte in Dubai Wände, Gipsplatten und anderes leichtes Baumaterial. Jede Etage hat eine Betondecke, die in Formen des deutschen Mittelständlers Meva gegossen wurden und in nur drei Tagen komplett fertig war– so schnell wie nie zuvor in einem Hochhaus. Turner, die amerikanische Tochter der deutschen Firma Hochtief, übernahm als Construction-Manager die Organisation einzelner Bauarbeiten.

Patentierte Betonpumpen der Firma Putzmeister beförderten den Beton auf die Weltrekordhöhe von gut 600 Metern – das Unternehmen aus Baden-Württemberg ist die das weltweit größte seiner Branche und sorgt mit seiner innovativen Technik regelmäßig für Rekorde. Auch in Dubai: Die Hochleistungspumpen brauchten nur 30 Minuten, um die mit Spezialzusatzstoffen vom Chemie-Unternehmen BASF angereicherte Masse in die Höhe zu jagen. Der Burj Dubai setzte damit den neuen Standard im Wolkenkratzerbau. Die zementartige Masse „Cafco 400 Feuerschutz“ des Oberflächenexperten Muehlhan wurde auf die Stahlteile der Gebäudespitze und der Fahrstuhlschächte gespritzt, um die Standfestigkeit im Falle eines Brandes zu erhöhen. Die Deutsche Kahneisen Gesellschaft hat die Ankerschienen der 58 Aufzüge produziert: Diese halten Aufzüge, ohne dass noch gebohrt werden muss. Das tut dem Beton gut, er hält dann länger. Apropos halten: Die Dübel der Firma Fischer sorgen im gesamten Burj für festen Halt. Teile der Fassade kommen ebenfalls aus Deutschland. Die Befestigungsschienen für die Elemente der Alu-Fassade lieferte die Firma Halfen. Die bereits um 1900 erfunden „Halfenschienen“ ersparen den Arbeitern das Bohren tausender Löcher. Die erste Bewährungsprobe haben sie schon bestanden: Im Frühling 2009 konnte der Befestigung selbst ein heftiges Gewitter nichts anhaben.

Im Turm sorgen zwölf Kühlmodule der Gesellschaft für Entstaubungsanlagen (Gea) für eine angenehme Raumtemperatur. 69 Pumpen der Firma Klein, Schanzlin, Becker (KSB) verteilen die Kühle und produzieren notfalls sogar Eis. 1870 als Fabrik für Besenstiele gegründet, steuerte die Firma Lopark 95000 Quadratmeter Edel-Parkett für die 900 Appartements bei. Der Parkettlack trocknet, wenn er mit ultraviolettem Licht bestrahlt wird, superschnell: Entwickelt hat das Verfahren der Deutsche Wolfgang Klumpp in den 70er-Jahren, als er in Großvaters 15-Mann-Firma anfing.

Die Sanitäranlagen für den gehobenen Anspruch lieferte die Firma Duravit: 4000 Toiletten, 1600 Badewannen und 1000 Waschtische wurden im Burj Dubai installiert. HansGrohe hat für die Bäder und Küchen mehr als 5000 Armaturen produziert. Der Familienbetrieb Dornbracht produzierte Wasserhähne für die Apartments und das Penthouse, zum Teil von Hand gefertigt. Für das Armani-Hotel lieferte das Familienunternehmen KalDewei 308 Dusch- und Badewannen aus Stahlemaille. Die Türklinken und Beschläge für insgesamt 13000 Türen kommen von dem Mittelständler Dorma.

Der Traditionshersteller Miele lieferte die Haushaltsgeräte für die Luxusappartements und das Armani-Hotel: 7650 Geräte wie Backofen, Kochfelder, Dunstabzugshauben und Spülmaschinen. Das Unternehmen Simonswerk hat das Armani-Hotel mit Hightech-Türbändern und Scharnieren ausgestattet: Stromkabel gehen unsichtbar vom Rahmen durch Bänder und Scharniere in die Türen. Sie können elektrisch geöffnet werden und leuchten. Dank der Schlüsselkarten von Carl Eduard Schulte muss der Gast seine Tür nicht mehr aufschließen: Sie springt dank eingebauter Transponder auf, wenn er sich nähert. Und auch auf dem festlich gedeckten Hotel-Tisch findet sich vieles „made in Germany“: Der Hotelausstatter Hepp entwickelte für das Armani-Hotel eine eigene Kollektion mit rund 40 Artikeln. Rosenthal steuerte 15200 Teile Fine-Bone-Porzellan bei.

23.03.2010
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