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Die Filmarbeit der Goethe-Institute

Botschafter des deutschen Films

Starkes Engagement für Kino aus Deutschland: Aus 900 aktuellen Filmen und Klassikern stellen die Goethe-Institute weltweit ein Panorama des deutschen Films zusammen

Von Tobias Mosig

Welches „Kino“ zeigt knapp 70 deutsche Filme am Tag? Und das in mehr als 80 Ländern? Das Goethe-Institut, das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der international aktivste kulturelle Botschafter des deutschen Films. Seit über 50 Jahren setzen sich die Goethe-Institute für die Verbreitung und Wahrnehmung des deutschen Films im Ausland ein – mit viel Zuspruch: Rund um den Erdball bieten die 134 Goethe-Institute jährlich etwa 25000 Filmvorführungen an – genau 68,5 an jedem Tag – und sie erreichen damit mehr als zwei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Unter ihnen viele junge Leute, aber auch kulturpolitische Multiplikatoren der Gastländer. Auf fast allen Kontinenten gründeten die Goethe-Institute eigene deutschsprachige Filmfestivals, zum Beispiel in Hongkong, San Francisco, Sydney, Prag und Tokio.

Auf dem Programm der Goethe-Institute stehen Filme aller Genres und Gattungen – angefangen bei Stummfilmklassikern von Regisseuren wie Fritz Lang oder Ernst Lubitsch über Autorenfilme des Neuen Deutschen Films und Dokumentar-, Kurz-, Animations- und Experimentalfilme bis zu den aktuellsten deutschen Produktionen: „Kirschblüten Hanami“ von Doris Dörrie, „Auf der anderen Seite“ von Fatih Akin oder „Das Leben der Anderen“ von Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck gehören zur Zeit zu den am häufigsten gezeigten Filmen. Das Goethe-Institut besitzt neben einem zentralen Filmarchiv in der Nähe von Frankfurt weltweit 38 eigene Filmarchive, die ihre Regionen mit deutschen Filmen versorgen.

Die Goethe-Filmarbeit im Ausland gleicht der eines gut geführten Programmkinos: Es gibt thematische Filmreihen, Retrospektiven, herausragende Einzelfilme, all das verbunden mit Publikumsgesprächen, Seminaren und auch Workshops. Immer wieder gelingt es dem Goethe-Institut Filmprofis aus der ersten Reihe für seine Veranstaltungen zu gewinnen: Regiestars wie Fatih Akin, Margarethe von Trotta, Volker Schlöndorff und Wim Wenders oder Schauspielerinnen wie Monika Bleibtreu, Hannah Herzsprung oder Barbara Sukowa – um nur wenige zu nennen – waren für Goethe schon in der Welt unterwegs.

Über 60 Filmbeauftragte im Ausland haben die spannende Aufgabe, mit den 900 aktuellen und historischen Filmen, für die das Goethe-Institut die Rechte erworben hat, attraktive Programme zu gestalten. „Die Filmbeauftragten arbeiten sehr kreativ mit dieser Palette aus Einzelfilmen und Filmreihen. Deshalb sind ihre Kompetenz und ihr Fachwissen für den Erfolg der internationalen Filmarbeit des Goethe-Instituts ganz entscheidend“, sagt Detlef Gericke-Schönhagen, Leiter des Bereichs Film beim Goethe-Institut. „Der Kern unserer Filmarbeit ist: Wir präsentieren nicht nur, sondern arbeiten auch an internationalen filmischen Netzwerken. Das bringt etwas für Filmemacher, für Produzenten und für das breite Publikum.“ Dabei helfen den Goethe-Instituten ihr weltumspannendes Netz und die zahlreichen Kontakte in den Ländern: zu Filmhochschulen, Filmschaffenden und zur Filmbranche. Zudem ko­operiert das Goethe-Institut mit etwa 150 internationalen Filmfestivals, aber auch mit Kinematheken und Filmclubs. Die Goethe-Institute sind auch in Ländern vertreten, die keine ökonomische Bedeutung für die deutsche Filmwirtschaft haben, wie in Afrika oder in Teilen Asiens. Dort bieten sie oft sogar die einzige Möglichkeit, deutsche Filme zu sehen.

Von den verschiedenen Kultursparten des Goethe-Instituts ist der Film das am stärks­ten eingesetzte Medium: Etwa 45 Prozent aller Veranstaltungen haben mit Film zu tun. „Filme transportieren ebenso wie das Theater oder der Tanz Lebenswirklichkeit in Deutschland und sie warten darauf, entschlüsselt zu werden“, sagt Detlef Gericke-Schönhagen. „Dabei leistet der Film nicht mehr als andere Künste, aber er ist leicht transportierbar. Und er ist bis ins Äußers­te perfektionierbar. Am Schneidetisch kann bis ins letzte Millionstel hinein an der Aussage gefeilt werden.“

Bevor neue Produktionen für ihren weltweiten Einsatz vom Goethe-Institut angekauft werden, berät ein mit Filmexperten besetzter Beirat über die Auswahl. Außerdem sollte jeder Film thematisch möglichst weltweit und langfristig einsetzbar sein. Die Filmarbeit der Goethe-Institute ist auch ein wichtiges Instrument zur Vermittlung der deutschen Sprache: Goethe führt alle Filme in der deutschen Original-Sprachfassung vor und bietet zusätzlich Untertitel in zehn Weltsprachen an. Bei der Organisation verschiedener Filmveranstaltungen kooperieren die einzelnen Goethe-Institute auch mit der German Films Service+Marketing GmbH. Die auf internationales Filmmarketing spezialisierte Agentur hat die Aufgabe, den Bekanntheitsgrad und die Vermarktungsmöglichkeiten des deutschen Films weltweit zu verbessern. „Wir sind die kulturelle Vertretung des deutschen Films im Ausland und somit primär kulturell und kulturpolitisch ausgerichtet. Das hat immer auch exportfördernde Aspekte, die aber nicht im Mittelpunkt stehen“, sagt Detlef Gericke-Schönhagen über die unterschiedlichen Ansätze von German Films und Goethe-Institut. Beide Institutionen unterstützen sich allerdings gegenseitig bei ihren Aktivitäten. Schließlich sind beide Botschafter des deutschen Films im Ausland.

Tobias Mosig ist Absolvent der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam und Autor des Buches „Goethe-Institut e.V.: Weltvertrieb für deutsche Filme?“ (Berlin, 2008)

20.02.2009
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