Research In Motion, bekannt für seine Blackberrys, hat im Herzen des Ruhrgebiets sein einziges Testzentrum für Qualitätsmessungen außerhalb von Nordamerika aufgebaut. Seit Januar 2010 müssen hier die Geräte zum Beispiel einen Hitze- bzw. Kältetest bestehen. In Kammern werden sie Temperaturen von -40 Grad Celsius bis +80 Grad Celsius ausgesetzt. Und das ist nur einer von vielen Extremtests, denen sich die Smartphones unterziehen müssen. „In nur zwei Stunden durchlebt das Gerät hier sein ganzes Leben“, erklärt Thorsten Heins, Vizepräsident von RIM. Und er weiß: „Wir können so Rückschlüsse auf Materialien, Design und vieles mehr ziehen und damit ständig die Qualität verbessern.“
Insgesamt 250 Ingenieure arbeiten zurzeit in dem Forschungs- und Entwicklungszentrum von Research In Motion in Bochum, das bereits seit 2008 besteht. Und RIM will seine Kapazitäten weiter ausbauen: In ein paar Jahren sollen hier rund 500 Menschen an neuen Mobilfunkgeräten forschen und arbeiten. Die Kanadier setzen stark auf die Stadt an der Ruhr. Über 60 Millionen Dollar haben sie seit 2008 hier investiert, jedes Jahr kommen 20 Millionen weitere hinzu. In Rekordzeit entwickelten die deutschen Ingenieure den ersten „Blackberry engineered in Germany“, der vor fünf Monaten feierlich präsentiert wurde. RIM-Chef Mike Lazaridis war damals nach Bochum gekommen und überreichte Bundestagspräsident Norbert Lammert einen der ersten Bold 9700.
Warum die Nr. 1 der kanadischen Telekommunikationsindustrie ihr europäisches Qualitätszentrum ausgerechnet in Bochum aufgebaut hat? Lazaridis wird nicht müde zu betonen: „Der Hauptgrund sind die Menschen hier. Uns geht es um Talente und von denen hat Deutschland eine Menge zu bieten.“ Er schätzt die hiesige Hochschulausbildung, vor allem in den Ingenieurswissenschaften. „Daran wollen wir teilhaben.“ Grund genug für die Blackberry-Firma, ihr neues Zentrum direkt in zwei Stockwerken eines unspektakulären Gebäudes der Bochumer Ruhr-Uni aufzubauen.
RIM nutzte damals die Gunst der Stunde. 2008 hatte Nokia den Standort Bochum aufgegeben. 2300 Menschen, darunter 400 Ingenieure und Techniker verloren ihren Arbeitsplatz. Doch RIM vertraut auf das Know-how, das nun in Blackberrys einfließt: Auch 120 ehemalige Nokianer arbeiten heute für die Kanadier. Der erste „Bochumberry“ wie der RIM-Chef beinahe liebevoll den in der Revierstadt entwickelten Blackberry nennt, zeige ein „erstaunliches Stück der German Ingenieurskunst“. Und es wird mehr davon geben. Da ist sich die Fachwelt sicher.
Jedes fünfte Smartphone weltweit, errechnete das Analystenhaus Gartner, wurde 2009 von RIM verkauft. Die Kanadier überflügeln damit immer noch Konkurrenten wie Apple mit seinem iPhone oder Handys mit Google-Betriebssystem. Lazaridis ist überzeugt: „Die Bochumer Forscher und Entwickler werden eine Schlüsselrolle spielen und RIM dabei unterstützen, weiter im Smartphone-Markt mit Qualität zu punkten.“















