Er interessiert sich gar nicht für Mode. Dennoch hat David Schumann in Japan eine Bilderbuch- – oder besser: Manga-Karriere hingelegt: vom Sprachstudenten zum Topmodel. Gerade erst nach Tokio gekommen, sprach ihn eine wildfremde Frau auf der Straße an. „You look cool“, sagte sie in gebrochenem Englisch und fragte, ob sie Fotos machen dürfe. Er dachte zunächst, sie sei Künstlerin und wolle Fotos für ihre Mappe machen. Es kam zu einem Fotoshooting. Und als er danach einen Umschlag mit Geld in der Hand hielt, realisierte er, dass er gerade als Model gearbeitet hatte. Seitdem war David Schumann auf zahlreichen Titelseiten japanischer Modemagazine, präsentierte Weltmarken wie Dolce & Gabbana und führte Designermode von Fashion-Stars wie Takeo Kikuchi auf dem Laufsteg vor.
David Schumann kommt aus einfachen Verhältnissen. Früh fühlte er sich zur Punkmusik hingezogen und hing mit seiner Clique am Bonner Hauptbahnhof herum. Während des Studiums in Köln entdeckte er seine Liebe zu Japan. Er wechselte zur Japanologie, bekam gute Noten, ein Stipendium und ging für einen Sprachkurs nach Tokio. Der Anfang war hart. Er war einsam, bekam Heimweh und begann Tagebuch (oben) zu schreiben. Dann dieser Vorfall vor drei Jahren.
Fasziniert haben die Frau wohl seine Haltung, sein verlottertes Aussehen und auch die tätowierten Arme. Erleichtert wurde die Karriere durch seine Japanisch-Kenntnisse. Am besten kam er an, wenn er verschlafen und unrasiert zum Casting erschien. „Sie wollten genau diesen für mich völlig alltäglichen Look, der für sie rebellisch rüberkam“, sagt Schumann. Heute hat er drei bis vier Castings am Tag und will den Job noch ein paar Jahre machen. „Momentan läuft es recht perfekt. Ich kann gut in Tokio leben und mich weiterhin ein bisschen durch die Tage treiben lassen. Das ist für mich schon ein ziemlich idealer Zustand.“ Danach will Schumann, der gerade eine Elektro-Punk-CD aufgenommen hat, als Übersetzer arbeiten – und noch ein Japan-Buch schreiben.














