Zwar kann man überall auf der Welt Unterstützung für Blockbuster-Produktionen finden, doch Babelsberg und Berlin haben uns besonders gefallen“, sagt Joel Silver. „Das Studio in Babelsberg hat sich zu einem der wichtigsten Filmzentren Europas entwickelt“, sagt Lloyd Phillips. „Nur wenig andere Länder können die gleichen Möglichkeiten bieten.“ Die beiden Hollywood-Produzenten wissen, wovon sie reden. Sie haben gerade Millionen-Produktionen im Studio Babelsberg realisiert – weil Babelsberg über die Filmtechnik der Zukunft verfügt, Berlin eine hohe Anziehungskraft als Filmstadt hat und das Preisniveau international wettbewerbsfähig ist. Die beiden Produzenten liegen mit ihrer Entscheidung für Berlin im Trend. Mehr als die Hälfte aller US-Spielfilme werden schon außerhalb der USA produziert. Und immer mehr US-Majors wie Warner Bros., United Artists oder Sony Columbia entscheiden sich für Babelsberg.
Das Jahr 2007 war für das Studio das erfolgreichste Jahr seit der Privatisierung 1992. Zwölf nationale und internationale Kinofilme wurden produziert. Der Umsatz stieg um das Fünffache und der Jahresüberschuss auf sechs Millionen Euro. Weltstars wie Tom Cruise, Kate Winslet, Susan Sarandon, Matt Damon oder Bud Spencer drehten in den traditionsreichen Studios. Zudem erhielt Studio Babelsberg einen Oscar für die Produktion „Die Fälscher“ sowie drei Oscars für die Koproduktion „The Bourne Ultimatum“. Auch das Jahr 2008 gestaltet sich erfolgreich. Im August lief nach „Ninja Assassin“, „Der Vorleser“, „Hilde“ und „Crashpoint Berlin“ mit dem Science-Fiction-Thriller „Pandorum“ bereits die fünfte Millionen-Produktion an. Seit Oktober dreht Querentin Tarantino mit Brad Pitt und einer internationalen Starbesetzung „Inglourious Basterds“.
Es lief nicht immer so gut für das Studio Babelsberg. Zwar blickt das älteste Großatelierfilmstudio der Welt auf eine glorreiche Vergangenheit zurück, die mit großen Namen wie Fritz Lang und Josef von Sternberg, „Metropolis“ und „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich nur so gespickt ist. Aber aus der ruhmreichen Ufa wurde zu DDR-Zeiten zunächst die Defa und nach der deutschen Wiedervereinigung das Studio Babelsberg – allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Erst nachdem Carl Woebcken und Christoph Fisser 2004 das Unternehmen von dem französischen Konzern Vivendi übernahmen und es neu ausrichteten, ging es aufwärts. Die neuen Besitzer setzten auf Kinofilmproduktion, bauten die Kapazitäten aus und positionierten das Studio im europäischen Wettbewerb als Premiumdienstleister. Heute können mindestens zwei oder drei große Produktionen parallel laufen. Mehr als 28000 Quadratmeter Studiofläche stehen permanent für Kinofilmproduktionen zur Verfügung. Damit gehört das Studio Babelsberg neben Pinewood Shepperton in London und den Barrandov Studios in Prag zur A-Liste der europäischen Filmstudios und ist das Herzstück der deutschen Filmwirtschaft.
In München, Hamburg und Köln haben sich Cluster mit anderen Schwerpunkten gebildet. Während Babelsberg auf Kino setzt, bilden für Bavaria Film in München TV-Programme das Kerngeschäft. 30000 Sendeminuten werden jährlich produziert. Mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro gehört die Bavaria Film Gruppe zu den Großen der Branche. Das Studio Hamburg produziert vor allem Telenovelas, große Publikumsshows und Dailys und ist mit seiner modernen Ü-Wagen-Flotte Marktführer als technischer Dienstleister in der Film- und Fernsehbranche. Aus Köln kommt ein Drittel der deutschen TV-Produktionen. Mehr als 15000 Beschäftigte arbeiten in der Domstadt im Bereich AV-Medien. Deutschlandweit sind rund 35000 Menschen in der Filmwirtschaft tätig. Die Zahlen sind allerdings nicht ganz trennscharf, denn viele Filmschaffende arbeiten freiberuflich und Film und Fernsehen kooperieren zunehmend, um größere Projekte zu realisieren. Von denen finden immer mehr den Weg in die Kinos. 2007 lag die Zahl der deutschen Spielfilm-Erstaufführungen über 50 Prozent höher als vor fünf Jahren. Im ersten Halbjahr 2008 erreichte der deutsche Film einen Marktanteil von über 33 Prozent.
Schubkraft für die Branche entwickelte vor allem der 2007 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann initiierte Deutsche Filmförderfonds DFFF. Er verfügt jährlich über 60 Millionen Euro und hat bisher über 110 Millionen Euro Fördermittel an 179 Projekte vergeben. Diese zogen wiederum private Investitionen von über 700 Millionen Euro nach sich. So beläuft sich der Hebeleffekt für die deutsche Wirtschaft auf das Sechsfache der Fördersumme. Die Gesamtherstellungskosten der vom DFFF geförderten Filme summieren sich auf eine Milliarde Euro. Damit verfügt Deutschland nun auch über ein wettbewerbsfähiges Anreizsystem, wie es in vielen Ländern bereits existiert. Denn nicht nur deutsche Filme werden gefördert, sondern auch internationale Produktionen mit deutscher Beteiligung. „Der Erfolg des Deutschen Filmförderfonds“, sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann, „liegt darin, dass fast alle Bereiche der Filmwirtschaft davon profitieren – angefangen bei den Produzenten bis hin zu den Studios, filmtechnischen Betrieben und den freiberuflichen Arbeitskräften auf dem Filmmarkt.“ Darüber hinaus hat der Filmförderfonds schon heute die Attraktivität des Filmstandortes Deutschland gesteigert und die internationale Zusammenarbeit erhöht. Der Fonds verschafft der deutschen Filmbranche finanzkräftige Partner, sorgt für internationalen Know-how-Transfer und für nachhaltiges Wachstum.














