Der Wind weht kühl und feucht von der Nordsee herüber, es regnet leicht. Doch auch durch den Regen ist eine der Hauptattraktionen Bremerhavens nicht zu übersehen: Wie ein riesiges Schlauchboot aus Glas und Metall ragt das Gebäude aus dem historischen Hafengelände. Es ist das Mitmach-Museum „Klimahaus Bremerhaven 8 Grad Ost“. Hier bekommt der Regen eine ganz neue Dimension. Denn das Science Center erklärt die Zusammenhänge von Wetter und Klima.
Auf 11500 Quadratmetern Ausstellungsfläche lernen die Besucher alles über Stürme und Vulkanausbrüche, Wind- und Meeresströmungen und die Physik von Wetter und Klima. Und das mit spielerischer Leichtigkeit. Denn das Klimahaus ist ein Museum der besonderen Art: Exponate zum Experimentieren, Objekte zum Anfassen. Als eine Mischung aus Aquarium, Technikmuseum und Mitmach-Show will das Klimahaus gleichermaßen unterhalten und bilden. Das Besondere an einem Rundgang ist: In einer fiktiven Weltreise erleben die Besucher die Klimazonen der Erde hautnah, mit Hitze, Kälte und Feuchtigkeit.
In wenigen Stunden geht es durch die ganze Welt. Die Reise beginnt und endet in Bremerhaven, 8 Grad 34 Ost, 53 Grad 32 Nord. Immer entlang des achten Längengrades durchwandern die Besucher Länder und Regionen bis hinunter in die Antarktis, um dann auf der gegenüberliegenden Seite des Globus wieder zurückzukommen. Auf insgesamt neun Stationen folgen sie dem Expeditionsteam, das für das Klimahaus Orte und Menschen auf der ganzen Welt besucht hat – etwa im schweizerischen Isenthal, wo die Gletscherschmelze schon heute Probleme bereitet. Sie besuchen den Ort Seneghe im sommerlich warmen Italien und durchstreifen das trockene Sahel-Zone-Gebiet Kanak im Niger, wo die Hitze mit mehr als 30 Grad Schweiß auf die Stirn treibt und zu spüren ist, was Wassermangel bedeutet.
In Interviews und Videosequenzen erzählen die Bewohner der Orte, wie das Klima ihr Leben bestimmt – und machen so das abstrakte Thema anschaulich. Und der eigene Körper spricht seine ganz eigene Sprache: In Kamerun kommt man sich bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit vor wie in einer Sauna, in der Antarktis, in der Hunderte Kühlstäbe meterhohe Eiswände geformt haben, zieht man bibbernd die beißende Kälte in die Lungen. Und auf Samoa, wo die Luft feucht-heiß ist und die Kleidung am Körper klebt, versteht man schnell, warum die traditionellen Hütten keine Wände hatten: So sorgte selbst die schwächste Brise für ein wenig Abkühlung. „Die Reise macht eindrucksvoll deutlich, wie das Leben der Menschen auf unserem Planeten vom Klima beeinflusst wird und welche Veränderungen uns bevorstehen“, erklärt Arne Dunker, der Geschäftsführer des Science Centers, das Konzept.
Das Klimahaus ist ein Publikumsmagnet: Bereits 15 Monate nach der Eröffnung im Juni 2009 waren über eine Million Menschen in der Ausstellung. Auch national und international erhält das Museum Anerkennung: Die Vereinten Nationen haben es als Projekt ihrer Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Dass das Mitmach-Museum ausgerechnet in Bremerhaven seine Pforten öffnete, kommt nicht von ungefähr. „Hier an der Nordseeküste sind Klimaphänomene besonders eindrucksvoll zu erleben“, sagt Arne Dunker, „außerdem ist hier Wetter aus allen Klimazonen der Erde zu spüren.“
Ein weiterer Standortvorteil war die Nähe zum Alfred-Wegener-Institut für Klima- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI). Denn damit neben der Show auch die Fakten stimmen, gab es kompetenten Rat von der deutschen Forschungselite. Bereits in der Konzeptionsphase wurden Klimaforscher, Wetterexperten und Meteorologen eingespannt. Wissenschaftler überlegten sich Experimente, entwarfen Exponate und lasen die Museumstexte Korrektur. Zusätzlich halfen auch Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der Deutsche Wetterdienst und das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg mit.
In Zukunft soll die Zusammenarbeit von Museumspädagogen und Forschern weitergehen. Denn nicht nur das Klima ändert sich. Auch das Klimahaus Bremerhaven will sich weiterentwickeln – und mit Bildungsprojekten, Wanderausstellungen und Konferenzen das Thema Klimawandel noch bekannter machen.////















