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Von Hochschulstipendien bis zur Unterstützung der Museumsverwaltung

Akademische Partnerschaft mit dem Irak

Der Wiederaufbau nach Krieg und Zerstörung hat viele Facetten: Die Akademische Partnerschaft mit dem Irak soll den wissenschaftlichen Wiederaufbau unterstützen

DUO Deutsch-Uni Online

"Noch fühlt es sich ein bisschen wie ein Traum an", sagt Yousra Wahbi. Die 28-jährige Irakerin gehört zu den ersten Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), die 2009 ihr Studium im Rahmen der "Strategischen akademischen Partnerschaft" Deutschlands mit dem Irak an einer deutschen Hochschule aufnehmen. Yousra Wahbi hat an der Universität Bagdad bereits ein Bachelorstudium in Informatik abgeschlossen. Im Oktober beginnt sie in Freiburg mit dem Masterstudiengang "Angewandte Informatik", der betont forschungsorientiert und international ausgerichtet ist.

Derzeit aber lernt Yousra Wahbi eifrig Deutsch in Mannheim. Sie kann sich in der neuen Fremdsprache schon sehr gut ausdrücken, obwohl sie erst vor knapp einem Jahr begonnen hat deutsche Vokalen und Grammatik zu lernen. "Ich habe schon im Irak sehr viel mit DUO gearbeitet", sagt Yousra Wahbi zur Erklärung. Die drei Buchstaben stehen für Deutsch-Uni Online. Das wissenschaftlich fundierte Fernlernangebot nutzen alle bisher 50 Regierungsstipendiaten aus dem Irak, um sich auf ihr Studium in Deutschland vorzubereiten. Seit neustem gibt es auch eine arabischsprachige Informationsplattform. Die DUO-Macher von der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die bekannt ist für ihre Leistungen in "Deutsch als Fremdsprache", kooperieren dabei eng mit der German University Cairo und mit der German Jordanian University in Amman. Hier arbeiten alle Deutsch-Anfänger mit der DUO-Lernsoftware und auch die Studierenden der Masterprogramme Übersetzung und Deutsch als Fremdsprache sind eng an DUO und die Münchner Universität angebunden. Von September 2009 an werden auch arabische Muttersprachler als Tutoren für die Anfänger zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um Absolventen des Deutsch als Fremdsprache-Masters an der German Jordanian University in Amman, die die Klassen von Amman aus betreuen werden.

Das Besondere bei DUO ist, dass die Lerner mit dem Sprachkurs nicht allein gelassen werden, sondern sich per Voicechat, Mail und Telefon auch mit ihren Tutoren direkt in Verbindung stehen und so immer eine persönliche, sehr individuelle Ansprache haben. Das neue arabischsprachige DUO-Angebot steht natürlich nicht nur den irakischenStipendiaten, sondern allen Interessierten in der Arabischen Welt offen, die Deutsch lernen möchten. Ein tutoriell betreuter Kurs kostet ab 149 Euro (www.deutsch-uni.com). Zudem sind bereits international mehr als 25 Hochschulen Lizenznehmer von DUO, die ihren Studierenden die Sprachschulung auf diesem Weg ermöglichen.

Das E-Learning-Angebot für Deutsch als Fremdsprache über Deutsch-Uni Online wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Initiative Außenwissenschaftspolitik gezielt gefördert, auch weil die gemeinsame Sprache schließlich die Grundlage für den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist.

Ein besonderes Anliegen der Initiative Außenwissenschaftspolitik ist es, die Forschungs- und Wissenschaftslandschaft im Irak und damit den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen: Während der ersten Irakreise von Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Februar 2009 unterzeichnete DAAD-Generalsekretär Christian Bode mit dem irakischen Bildungsminister Abid Thyab Al-Ajeeli ein Abkommen über eine „Strategische Akademische Partnerschaft“. Sie ist Teil eines vom Auswärtigen Amt aufgelegten Sonderprogramms für den Irak.

Heute liegt vieles im irakischen Wissenschaftssystem brach. So sind nur etwas mehr als ein Viertel der Hochschullehrer an den 20 irakischen Universitäten überhaupt promoviert. Doch vor den Golfkriegen und den Sanktionen gehörte die irakische Wissenschaftslandschaft zu den am höchsten entwickelten und leistungsfähigsten im Nahen Osten. Daran und an die ehemals guten deutsch-irakischen Wissenschaftsbeziehungen sowie an zahlreiche bestehende Alumni-Kontakte zu irakischen Akademikern möchte der DAAD anknüpfen. Die Kooperation umfasst ein ganzes Bündel von Fördermaßnahmen zum akademischen Wiederaufbau. Ein wichtiger Baustein der Partnerschaft ist das Stipendienprogramm für jährlich bis zu 100 irakische Masterstudierende und Doktoranden, an dem Yousra Wahbi teilnimmt. Man hofft, dass viele von ihnen später eine Lehrtätigkeit an einer irakischen Hochschule aufnehmen. Den zweiten wichtigen Teil der Zusammenarbeit bildet ein Hochschulpartnerschaftsprogramm. Fernziel ist die Gründung einer Deutsch-Irakischen Universität, die zunächst dezentral an ausgewählten Fachbereichen deutscher Hochschulen entstehen soll und – sobald es die Sicherheitslage erlaubt – in den Irak transferiert wird.

Die akademische Partnerschaft hat noch viele weitere Elemente: So ist geplant, dass die besten 100 irakischen Schulabgänger ein grundständiges Studium in Deutschland angeboten bekommen. Außerdem baut der DAAD ein deutsch-irakisches Wissenschaftsnetzwerk für interessierte Iraker auf, die an deutschen Hochschulen arbeiten und sich in der Partnerschaft engagieren möchten. Die akademische Zusammenarbeit umfasst auch eine archäologische Komponente: Gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut und den Staatlichen Museen zu Berlin soll durch Ausbildung und Beratung eine funktionierende Museumsverwaltung im irakischen Nationalmuseum aufgebaut werden. In der Archäologie besteht die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Irak am längsten: Seit 1887 besteht eine sehr fruchtbare Tradition deutscher archäologischer Forschung im Irak. 1955 errichtete das Deutsche Archäologische Institut eine Außenstelle in Bagdad, die zur Zeit allerdings von Berlin aus geleitet wird. Seit 2003 liegt der Fokus der DAI-Arbeiten vor allem im Bereich Kulturerhalt.

20.07.2009
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