Ökologisches Stadtmanagement
Planen, bauen, sanieren und auch die Beteiligten aus zwei Kulturkreisen einzubinden, ist das Ziel des neuen Masterstudienganges „Integrated Urbanism & Sustainable Design“ (IUSD). Die ersten 22 Stipendiaten starteten im September 2011 mit ihrer deutsch-arabischen Ausbildung an den Universitäten Stuttgart und Ain Shams Kairo. Vier Semester lang werden vier deutsche, neun ägyptische und neun Studierende aus Tunesien, Syrien und Jordanien ihre fachlichen Kenntnisse als Architekten und Bauingenieure um landesspezifisches Wissen erweitern. „Wir möchten in dem Pilotprojekt besonders die interkulturellen und interdisziplinären Aspekte mit dem Fachwissen verbinden“, sagt Anke Stahl, Referatsleiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Entwicklungsländerbezogene Aufbaustudiengänge. So gehören neben ökologischem Stadtmanagement, energieeffizientem Bauen, Sprachkursen, wissenschaftlichem Arbeiten auch interkulturelle Trainings und eine enge Zusammenarbeit unter den Studierenden zum Studium. Nach einem Jahr in Deutschland, einem weiteren in Ägypten, einer Summerschool und einer erfolgreichen Masterarbeit schließen die Absolventen mit Abschlüssen beider Universitäten ab.
Der mit 2,6 Millionen Euro geförderte Masterstudiengang wird zu jeweils einem Drittel von den deutschen Bundesministerien für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie für Bildung und Forschung und vom ägyptischen Ministerium für Hochschule, Wissenschaft und Forschung (MoHESR) bis 2014 getragen. Die für zunächst zwei Generationen von maximal je 30 Stipendiaten vorgesehene Ausbildung richtet sich sowohl an anwendungsorientierte als auch wissenschaftsbezogene Ingenieure und Geisterwissenschaftler. ///
www.daad.de, www.isud.uni-stuttgart.de
Demokratieaufbau fördern
Über ihr Alumni-Netzwerk der „Humboldtianer“ will die Alexander von Humboldt-Stiftung, deren Aufgabe es ist Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern zu fördern, mit Mitteln des Auswärtigen Amts den Wissenschafts- und Demokratieaufbau in Ägypten und Tunesien stärken. 2012 und 2013 sollen erfahrene Forscher und Nachwuchswissenschaftler mit Sondermitteln in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro unterstützt werden. „Wir wollen über unsere Alumni – weltweit sind es mehr als 25000 Humboldtianer, unter ihnen 48 Nobelpreisträger – dazu beitragen, dass Postdocs und erfahrene Wissenschaftler nicht nur ihre Forschung und Einrichtungen voranbringen, sondern als Hoffnungsträger der Bevölkerung auch die Zivilgesellschaft“, sagt Dr. Thomas Scheidtweiler, Leiter des Referats Afrika und Nahost der Alexander von Humboldt-Stiftung.
So werden von Januar 2012 an zusätzliche Stipendien für Post-Doktoranden und erfahrene Wissenschaftler aller Fachrichtungen aus den Schwerpunktländern für ihren ersten oder erneuten Forschungsaufenthalt in Deutschland ausgeschrieben. Mit diesen Stipendien können sie Vorhaben an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland umsetzen. In einer zweiten Fördersäule können ägyptische und tunesische Humboldtianer Rückkehrstipendien ins eigene Land, erneute Forschungsaufenthalte in Deutschland, auch in Begleitung eines Nachwuchswissenschaftlers („Tandemeinladungen“), Sachmittel, Gastaufenthalte deutscher Wissenschaftler in Ägypten und Tunesien, Regional- und Fachtagungen sowie Unterstützung von Institutspartnerschaften beantragen. „Wir hatten schon im Jahr 2010 eine so rege Fördernachfrage aus diesen Ländern wie selten zuvor“, berichtet Scheidtweiler über die verbreitete Aufbruchsstimmung in der Wissenschaftsgemeinde Monate vor dem „Arabischen Frühling“. Während eines Workshops mit ägyptischen und tunesischen Wissenschaftlern äußerten zahlreiche Forscher im Juli 2011 die Erwartung, künftig mehr Freiheit zu genießen und von weniger staatlicher Einflussnahme betroffen zu sein als bisher.
www.humboldt-foundation.de
Logistik am Arabischen Golf
An der Deutsch-Emiratischen Hochschule für Logistik in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate, haben am 11. September 2011 die ersten 22 Studierenden mit ihrer Bachelor-Ausbildung begonnen. Die Hochschule ist das fünfte Deutsch-Arabische Hochschulprojekt – nach der GUC Kairo, der GJU Jordanien, der Deutsch-Syrischen Al-Wadi Uni und der GUTech in Muscat. Das von der Technischen Hochschule Wildau, der Hochschule Bremen und der Jade-Hochschule Wilhelmhaven/Oldenburg/Elsfleth seit 2009 konzipierte vierjährige Studium setzt dabei auf die Lehr- und Forschungskompetenz aus Deutschland – angepasst an die arabische Golfregion. Die erste Klasse arabischer Studierender wird nach einem Jahr Sprachvorbereitung in Logistikplanung, im Logistikmanagement, in der Luft-, See- und Schiffslogistik in Englisch ausgebildet.
„Es sind nicht nur deutsche Lehrinhalte, die wir in ein hauptsächlich angloamerikanisches und damit sehr forschungsorientiertes System einbringen, sondern wir bieten eine zielgerichtete Ausbildung auf die späteren Arbeitsfelder“, sagt Professor László Ungvári, Präsident der TH Wildau und Lead Partner der Higher Colleges of Technology. Die mit mehr als 18000 Studierenden größte Hochschuleinrichtung in den Vereinigten Arabischen Emiraten entschied sich damit für mehr Wirtschaftskultur in der Lehre. Denn potenzielle Arbeitgeber aus Industrie und Verwaltung bringen bei den deutschen Partnern ihr Wissen in die Studieninhalte mit ein. Finanziell unterstützt wurde der Aufbau vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Der laufende Betrieb wird durch Sponsoring deutscher und emiratischer Unternehmen sowie durch Studiengebühren sichergestellt.
Die Deutsch-Emiratische Hochschule, die seit dem Start ein Gebäude des Men’s College in Abu Dhabi nutzt, soll in drei bis vier Jahren Lehr- und Ausbildungsstätte für rund 160 Studierende auch in anderen Wissensdisziplinen werden. In eigenen Räumen wird sie neben Logistik auch Telematik und Wirtschaftsingenieurwesen anbieten. Auch Anfragen deutscher Interessenten für das Bachelorstudium in Abu Dhabi seien bereits eingegangen, berichtet Professor Ungvári. Mittelfristig ist ebenfalls geplant, die bisher auf Einwohner der VAE beschränkte Ausbildung für Bewerber aus der Golfregion, aus Deutschland und für in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebende Ausländer zu öffnen.
www.daad.de, www.th-wildau.de
Universitätsnetzwerk für Desertec
Als erste staatliche Universität in Deutschland ist die Technische Universität (TU) Dresden seit Anfang Juli 2011 Teil des DESERTEC-Universitätsnetzwerkes. Neben der privaten Jacobs University Bremen, dem Solar-Institut Jülich, dem Wupperthal-Institut und der Deutsch-Französischen Hochschule Saarbrücken begleitet die TU Dresden den Wissenstransfer zur Umsetzung des Jahrhundertprojektes: Das Desertec-Konzept möchte die energiereichsten Standorte der Welt – wie die Wüsten Nordafrikas – mit Hilfe erneuerbarer Energietechnik nachhaltig nutzen, um Klimaschutz, Fortschritt und Energiesicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten. „Die Kooperation in Lehre, Forschung und Entwicklung sowie die Arbeit mit anderen Wissenschaftlern ist für uns eine einzigartige Chance, die Zusammenarbeit vor Ort voranzutreiben und Kompetenzen gemeinsam auszubauen“, erklärt Professor Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden. Dahinter steht aktuell zum Beispiel der Aufbau eines Masterstudienganges „Erneuerbare Energien“, der in Deutschland und Nordafrika angesiedelt ist und zum Wintersemester 2012 erste Studierende aufnehmen soll. Die Volluniversität der sächsischen Landeshauptstadt kann sich vorstellen, dort die Lehre in Fächern wie Ingenieur- und Naturwissenschaften, Energierecht und Energiewirtschaft zu übernehmen. Neben dem Aufbau von Forschungs- und Lehrkapazitäten – auch für die Ausbildung von Fachkräften in Nordafrika – gilt es vorhandene Ressourcen und Kenntnisse zu nutzen. „Wir bieten nicht nur wissenschaftliche Unterstützung an, sondern zum Beispiel auch Hilfe beim Einwerben von nationalen und europäischen Fördermitteln“, sagt Müller-Steinhagen. Als Vorsitzender des Beirates der Desertec-Industrie-Initiative setzt er sich unter anderem für Stipendien in Nordafrika und Deutschland ein, die neben der spezifischen Weiterbildung der Studierenden auch das Miteinander fördern sollen.
Schon 2012 sollen die ersten Bautätigkeiten für Solarkraftwerke starten, die Strom unter anderem nach Spanien liefern sollen. Langfristig soll so bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs gedeckt werden. „Diesen über Jahrzehnte dauernden Prozess wissenschaftlich begleiten zu können, würde mich sehr freuen“, so Müller-Steinhagen.
www.tu-dresden.de, www.desertec.org
TU Berlin koordiniert „Avempace“
Frei übersetzt bedeutet der Name Avempace auch „Sei gegrüßt Friede!“. Der im Westen unter seinem latinisierten Namen Avempace bekannte arabische Mathematiker, Mediziner und Philosoph Ibn Bajjah lehrte im 12. Jahrhundert und steht Pate für das gleichnamige Stipendienprogramm – eingeworben und koordiniert von der Technischen Universität (TU) Berlin. Das im Rahmen es europäischen Stipendienprogramms Erasmus Mundus mit 2,1 Millionen Euro geförderte Projekt bietet 82 Stipendiaten aus Europa, Jordanien und Syrien vielfältige Studien- und Forschungsaufenthalte. Neben dem wissenschaftlichen Anspruch soll das Programm durch Austausch von Studierenden, Lehrenden und Forschenden auch das Verständnis zwischen den EU-Staaten und den Partnerländern verbessern.
„Wir haben mit den 64 Förderungen für Jordanien und Syrien einen Entwicklungskooperationsaspekt im Projekt“, sagt Oliver Pfeiffer, Projektsprecher an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der TU Berlin. So erhalten die jordanischen und syrischen Stipendiaten unter anderem eine längere finanzielle Unterstützung und können ihr Studium mit dem entsprechenden wissenschaftlichen Grad an einer von zehn Partnerhochschulen in Europa, darunter die TU Berlin und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Deutschland, abschließen. Die 18 Stipendien für europäische Teilnehmer sehen eine geringere Dauer und keinen Universitätsabschluss vor. Studierende, Promovierende und Postdocs können an den zur Auswahl stehenden fünf jordanischen und fünf syrischen Partnerhochschulen, ihre Fächer frei wählen und dort neben fachbezogenen Seminaren auch fachfremde Kurse für ein Studium Generale absolvieren. Diese Möglichkeit werden auch die jordanischen und syrischen Stipendiaten haben. „Doch ich sehe bei ihnen eher eine fachlich orientierte Arbeit mit dem klaren Ziel, den Abschluss an einer europäischen Universität zu machen“, sagt Oliver Pfeiffer. Je nach Herkunft und akademischem Grad können sich Interessenten für eine Förderung von einem bis zu 36 Monate bewerben. Auch Diplom-Mathematiker Oliver Pfeiffer ist Alumnus von Erasmus Mundus: Er arbeitete mit jordanischen Kollegen an Remote-Experimenten und bereitete ein DAAD-Projekt zum gemeinsamen wissenschaftlichen Thema vor. „Ich habe erlebt, wie groß der Bedarf in Jordanien an gut ausgebildeten Lehr- und Fachkräften ist. Daher hoffe ich, dass wir mit Avempace genau an dieser Stelle längerfristig helfen können“, sagt Pfeiffer.
www.avempace.eu














