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Sultan Mohammad, Masterstudent an der Erfurt School of Public Policy

„Afghanistan braucht gut ausgebildete Nachwuchskräfte, die den Wiederaufbau unterstützen“

Sultan Mohammad aus Afghanistan ist für ein Masterstudium in Public Policy nach Deutschland gekommen. Zusammen mit 14 weiteren jungen afghanischen Führungskräften lernt er an der Erfurt School of Public Policy, wie gutes Regieren gelingen kann. Ihr gemeinsamer Wunsch ist es, den zivilen Wiederaufbau Afghanistans voranzubringen. Dasselbe Ziel verfolgt auch das Auswärtige Amt, das dieses Programm im Rahmen des Stabilitätspakts für Afghanistan ermöglicht hat.

Oliver Sefrin

Manija Gardizi, Projekt-Koordinatorin Good Governance an der ESPP, mit Studierenden aus Afghanistan (Foto: Jan Greune)

Manija Gardizi, Projekt-Koordinatorin Good Governance an der ESPP, mit Studierenden aus Afghanistan (Foto: Jan Greune)

Good Governance, effiziente Verwaltungsstrukturen, Korruptionsbekämpfung: Diese Themen werden Sultan Mohammad in den nächsten drei Jahren intensiv beschäftigen. In Thüringens Landeshauptstadt Erfurt absolviert der 32-jährige Afghane den englischsprachigen Aufbaustudiengang „Master of Public Policy“. Sultan Mohammad und seine 14 afghanischen Kommilitonen sind Pioniere: Aus rund 60 Bewerbern mit Hochschulabschluss und Berufspraxis ausgewählt, bilden sie die erste Gruppe, die seit Dezember 2008 an der Erfurt School of Public Policy (ESPP) an einem bislang einzigartigen Studienprojekt für junge afghanische Führungskräfte teilnimmt. Das Ausbildungsprogramm wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Afghanistan-Konzepts der Bundesregierung gefördert, mit dem sich Deutschland stark für den zivilgesellschaftlichen Wiederaufbau des Landes engagiert. Der DAAD wurde mit der Umsetzung des Programms betraut und suchte nach dem am besten geeigneten Hochschulpartner in Deutschland. DAAD-Vertreter waren zudem an der Auswahl der Studierenden in Kabul beteiligt.

Für bessere Bildung und gegen Korruption

Die Ausbildung in Erfurt sieht Sultan Mohammad als große Chance – für sein Land und für seine eigene berufliche Zukunft: „Afghanistan braucht gut ausgebildete Nachwuchskräfte, die den Wiederaufbau unterstützen“, sagt er. „Mit dem, was ich in Deutschland lerne, kann ich dazu beitragen.“ Sultan Mohammad hat Journalismus studiert. In Afghanistans Hauptstadt Kabul arbeitete er für das Internationale Rote Kreuz und als Reporter und Übersetzer für die „New York Times“ – immer unter schwierigen Bedingungen: „Ich habe kaum wirkliche Zeiten des Friedens erlebt. Ich wurde im Krieg geboren, habe im Krieg gelebt und im Krieg studiert.“ In Erfurt, sagt er, könne er sich jetzt ganz auf die akademische Ausbildung konzentrieren. Europapolitik, Internationale Beziehungen und Management: Das sind die Themen, die ihn besonders interessieren.

Lösungsstrategien in Konfliktregionen

Das Masterprogramm der ESPP, die zur Universität Erfurt gehört, richtet sich gezielt an Studierende aus dem Ausland und legt einen besonderen Schwerpunkt auf internationales Konfliktmanagement. „Die Studierenden aus Afghanistan sollen das methodologische und analytische Handwerkszeug aus dem Studium später direkt anwenden können“, sagt ESPP-Direktor Professor Dietmar Herz über die Ziele der Ausbildung. „Sie lernen zum Beispiel, wie eine Verwaltung mit Korruption oder der Drogenproblematik umgehen kann und welche Lösungsstrategien es gibt.“ Wichtige Kenntnisse, die zur Stabilisierung in der jungen Demokratie beitragen können. Das Programm setzt sich aus einem Vorbereitungsjahr und dem zweijährigen englischsprachigen „Master of Public Policy“ zusammen. In dem Masterkurs studieren die Afghanen dann zusammen mit Kommilitonen aus der ganzen Welt und diskutieren politische, ökonomische und verwaltungswissenschaftliche Themen – von der Außenpolitikanalyse über die Entwicklungszusammenarbeit bis zu den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Professor Herz sieht das Ausbildungsprogramm auch als gegenseitigen Lernprozess: „Die Teilnehmer aus Afghanistan lernen ein ganz anderes politisches System kennen. Dies hilft der zukünftigen afghanischen Elite, westlich-europäische Politik besser zu begreifen. Und uns Deutschen erleichtert der Kontakt, afghanische Politik besser zu verstehen.“

Vielfältige Berufsperspektiven

Der Masterabschluss aus Erfurt eröffnet den Afghanen, die zwischen 25 und 35 Jahren alt sind und von denen viele schon verantwortungsvolle Posten hatten, ganz unterschiedliche Berufsperspektiven. Sultan Mohammads Kommilitonin Quhramaana Kakar, 26 Jahre alt und die einzige Frau der Gruppe, hat bereits einen Master in Ökonomie und arbeitete für die Vereinten Nationen in Kabul: „Ich habe mir vorgenommen, mich für Bildungsarbeit und die Rechte von Frauen einzusetzen“, sagt sie über ihre Zukunftspläne. Mohammad Hossain Torabi, der zuvor im Bankwesen gearbeitet hat, zieht es an die Universität. „Ich will als Dozent arbeiten, denn vielen Hochschulen fehlen gut ausgebildete Lehrkräfte.“ Von den Studienbedingungen in Erfurt ist der 26 Jahre alte Student beeindruckt: Er schätzt das hohe akademische Niveau, aber auch die kontaktfreudigen Kommilitonen. Erfurt, sagt er, sei „klein, ruhig und schön“.

Lernen für eine bessere Zukunft

Das Thema Bildung interessiert auch Sultan Mohammad sehr. Gut 80 Prozent der Afghanen seien Analphabeten, viele seiner Landsleute hätten keine richtige Ausbildung, berichtet er. Probleme, die für ihn mit zu den Gründen für die schwierige Lage seines Landes gehören. Sultan Mohammad will sich in Erfurt für eine spätere Aufgabe im Bildungswesen, etwa im Bildungsministerium, oder in der kommunalen Verwaltung vorbereiten. Er ist sicher, dass ihm das in Erfurt gut gelingen wird: „Die Stadt, die Universität und das Studium sind ein inspirierendes Umfeld zum Lernen.“ Für ihn steht aber auch fest, dass er nach dem Studium in seine Heimat zurückkehren wird. Dort warten seine Frau und sein zwei Jahre alter Sohn auf ihn. Und dort kann sich seine große Hoffnung erfüllen, einen Beitrag für Afghanistans Zukunft zu leisten.

29.04.2009
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